Das CUNEO auf Sankt Pauli

Fragt man in Hamburg nach einer weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Institution auf St. Pauli, kann es nur eine Antwort geben – das Cuneo! Welches Restaurant sonst kann schon auf eine weit über 100-jährige Tradition zurückblicken und immer noch Gäste durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch mit seinem unvergleichlichen Charme begeistern? Das älteste italienische Restaurant Hamburgs liegt gleich um die Ecke der Reeperbahn und hat mittlerweile Kultstatus. Vor dem Besuch ist eine Reservierung daher unbedingt zu empfehlen, denn das recht kleine, von außen unscheinbare Restaurant in der Davidstrasse ist ein beliebter Treffpunkt für ein bunt gemischtes Klientel. Im rot getünchten Gastraum mit alter Musikbox, Gemälden, Skulpturen und unzähligen Fotos von prominenten Gästen und der Familie findet man heutzutage gleichermaßen Touristen, Studenten und elitäres Stammpublikum. Schriftsteller haben hier im Laufe der Jahre ebenso ihre Inspiration bei einem Glas Wein gefunden wie berühmte Schauspieler, Maler oder Hamburgs feine Gesellschaft. Auch Gäste aus dem Rotlichtmilieu sind durch die Nähe zur Reeperbahn eine Selbstverständlichkeit.

Benannt ist das Cuneo nach dem Familiennamen des ursprünglich aus Ligurien stammenden Gründers Francesco Antonio Cuneo, der mit der Eröffnung einer Destille im Jahre 1905 den Grundstein für dieses einzigartige Restaurant mit Wohlfühlfaktor legte. Das in einem ehemaligen Bordell gelegene Lokal sorgte anfänglich hauptsächlich für Heimatgefühle bei den italienischen Gastarbeitern, avancierte dann aber mehr und mehr auch zum Geheimtipp für einheimische Gäste. Da Familie und Zusammenhalt bei den Cuneos schon immer groß geschrieben wurden, übergab Francesco im Jahre 1927 die Leitung des Kultrestaurants an seinen Sohn Giovanni. Dessen Sohn Franco wiederum trat 1963 im Alter von nur 21 Jahren in die Fußstapfen seines Vaters und des Großvaters und ist bis heute nicht aus dem Restaurant wegzudenken. Die Geschäfte in der Davidstrasse lenkt mittlerweile allerdings seine Tochter Franca, die ihm bereits seit 2005 mit viel Tatkraft und Elan zur Seite stand. Somit ist das Cun.eo nun in 4. Generation in Familienbesitz, was kein anderes italienisches Restaurant in ganz Deutschland von sich behaupten kann. Die Anwesenheit von Franco Cuneo und seine aufregenden Geschichten machen das besondere Flair des Lokals noch spürbarer. Der Gastronom hat viel zu erzählen aus den aufregenden Jahren in seinem Restaurant. Weltweit bekannte Boxer feierten hier ihre gewonnenen Kämpfe um die Weltmeisterschaft, betrunkene Seeleute randalierten, flirteten mit „Damen“ aus der Herbertstrasse oder bestellten ihr Essen mit geladener Pistole unter dem Tisch. Franco erinnert sich an den Mord an einem Matrosen hier in seinem Traditionslokal, der vom Maler Bruno Bruni sogar in einem Gemälde festgehalten wurde. Dieses Bild hängt nun in einem der Gasträume und zeugt von den wilden Zeiten im Cuneo. Seitdem hat sich die Reeperbahn in Hamburg jedoch sehr verändert. Rauhbeinige Seeleute sind nur noch selten auf dem Kiez und im Cuneo zu sehen, dafür tummeln sich dort umso mehr Touristen und auch jüngere Gäste. Wie gut, dass Franco seinen langsamen Rückzug aus dem Geschäft dafür genutzt hat, seine unterhaltsamen Anekdoten im selbst verfassten Buch „CUNEO notte – Geschichten aus St. Pauli“ festzuhalten. Das Geschichtenerzählen war immer schon eine seiner Leidenschaften, das Kochen überließ er lieber anderen. Dennoch überzeugt die Küche im Cun.eo mit traditionellen italienischen Speisen aus den hochwertigsten Zutaten und einem umfangreichen Weinangebot. Klassische Weine findet der Gast hier ebenso wie sorgfältig ausgewählte Eigenimporte. Ein Abend im Cuneo ist also fast ein Muss beim Besuch in Hamburg. Bereits beim Eintreten sind der Familienzusammenhalt und das besondere Flair dieses Lokals spürbar. Chefin Franca Cuneo versäumt es nicht, genau wie ihr Vater jeden neuen Gast mit offenem Herzen und einem fröhlichen „Buonasera!“ zu begrüßen. Kein Wunder, dass dieses italienische Kultrestaurant alle Besucher in seinen Bann zieht und sicherlich auch für die kommenden Jahrzehnte die Traditionen weiterleben lässt!

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